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LULLIN + FERRARI

 
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Franziska Furter

 
We have all the time in the world, 2005, ink on paper, 196 x 395cm,
even ever, Kunsthaus Baselland, Muttenz, foto Jeannette Mehr, courtesy Galerie Friedrich, Basel


More images: www.artnews.org/franziskafurter

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Eine andere Realität
17. 06. 2008
Eva Scharrer

Poetische Neuronen-
gewitter. Die Arbeiten von Franziska Furter führen in eine andere Wirklichkeit.
Bekannt wurde Franziska Furter (*1972) durch ihre extrem großformatigen Tuschezeichnungen von Landschaften oder Himmelskörper, die der visuellen Welt von Comics, insbesondere Mangas, entliehen waren. Diese fantastischen Kulissen wurden von Furter der Protagonisten und ihrer Sprechblasen – und somit ihrer ursprünglichen Narration – beraubt, mit anderen Elementen kombiniert, und mittels Fotokopierer ins Monumentale vergrößert. Es sind künstlich geschaffene Welten, in denen Explosionen, Feuersbrünste und grafische Verfremdungen apokalyptische Momente der Irritation und der Bewegung erzeugen. „Diese Bilder sehen zwar aus wie Schwarz-Weiß-Fotografie, doch existieren sie nicht in der Realität. Es sind Abbildungen einer erfundenen Welt – also einfach eine andere Realität“, sagt Franziska Furter über ihre Arbeit.

Eine neuere Serie von Tuschzeichnungen konzentriert sich auf Sonnenaufgänge und -untergänge. Die Reihe ist überbetitelt mit „FIN“, was an das Schlussbild eines Films denken lässt, die einzelnen Zeichnungen haben poetische Titel wie „FIN / you’ll have to wait till yesterday is here“ (2008). Die evokativen Titel sind immer ein wichtiger Bestandteil von Furters Werken, weisen sie doch über das Dargestellte hinaus, in eine andere, von Mystik, Science-Fiction und Fantasy inspirierte Dimension.

Im Juni findet man Franziska Furters Arbeiten gleich an drei Orten am Rheinknie: am Stand der Galerie Friedrich innerhalb der renommierten Art Basel, auf der Liste bei der jungen Malmöer Galerie elastic und zudem stellt Furter als diesjährige Preisträgerin der Alexander Clavel Stiftung im Wenkenhof in Riehen aus. In ihren neuesten Zeichnungen, die auf der Art Basel und der Liste zu sehen sein werden, hat sich Franziska Furter seit langer Zeit einmal wieder dem Bleistift als Zeichenmittel zugewendet sowie kleineren, intimeren Formaten. Entstanden sind diese Arbeiten in Berlin, wo die Basler Künstlerin seit ihrem London-Aufenthalt lebt. Die Serie trägt den Übertitel „vision“ und auch hier fand Furter die Vorlagen in Comics, Mangas und Filmen. Sie konzentrierte sich dabei auf eben jene Momente, die eine Vision, eine Halluzination, oder das Eintreten in andere Welten oder Geisteszustände beschreiben. Ohne Protagonisten bleiben von den Zuständen nur abstrahierte kosmische Sphären mit weißen Leerstellen übrig. Die individuellen Titel der einzelnen Zeichnungen sind Markennamen von Sedativen, also Beruhigungsmitteln und Antidepressiva, die etwa bei Schlaflosigkeit eingesetzt werden. So ist „vision / remeron“ – es zeigt einen blitzartigen Lichtstreifen oder eine Milchstraße in einem tunnelförmigen All – nach dem Antidepressiva Remeron benannt, „vision / versed“ hingegen nach einem gleichnamigen Beruhigungsmittel. Als mehrfache mediale Übersetzung von bildlichen Visionen und Jenseitserfahrungen bleibt auch die Rolle der Zeichnungen mehrdeutig – sollen sie als beruhigendes Mittel gegen Halluzinationen dienen oder lösen sie als Drogen jene halluzinogenen Momente erst aus?

Ambivalenz charakterisiert auch die skulpturale Arbeit „Soda Ash“, die in Riehen gezeigt wird. Aus schwarz glänzender Plastikfolie hat Furter ein dicht wucherndes, stacheliges Gewächs erschaffen, welches entfernt an Dornenhecken, Stacheldraht oder SM-Spielzeug erinnert, in Wirklichkeit aber harmlos und weich ist. Auch hier eröffnet der Titel eine weitere Rezeptionsebene: Soda Ash ist eine aus der Asche der Wildpflanze Salsola Soda gewonnene Substanz, welche zur Herstellung von Seife oder Glas benötigt wird, und unter anderem im 16. Jahrhundert essenziell für die Herstellung des berühmten Murano Kristallglas war.

In dem Barockschloss nimmt das eigentümliche Gewächs einen Seitenraum ein – wo es als gefährlich anmutender Fremdkörper an das Dornengestrüpp erinnert, welches das schlafende Dornröschen gefangen hielt. Doch gleichzeitig verweist es in seinem Titel auf das kreative Potential seiner Verwandlung in einen anderen Aggregatzustand.
 
 
 

Franziska Furter

1972 born in Zurich, Switzerland

Lives and works in Basel (ch) And Berlin, Germany

Grants

2012
Werkbeitrag, Kuratorium des Kantons Aargau
2009
Auslandatelier Paris, Kuratorium des Kantons Aargau
Auslandatelier Kairo, Pro Helvetia
2008
Cahiers d’artistes, ProHelvetia, Schweiz
Förderpreis, Alexander Clavel Stiftung, Riehen
2007
Förderpreis, Neue Aargauer Bank
2006
Werkbeitrag, Kuratorium des Kantons Aargau
2003
Auslandatelier London, Kuratorium des Kantons Aargau
2001
Prix Ehinger, Basel
1999
Auslandatelier Berlin, Kuratorium des Kantons Aargau
Auslandatelier Edinburgh, iaab, CMS Stiftung, Basel
1998
Kunststipendium des Kantons Basel-Stadt
1997
Förderbeitrag, Stiftung Vordemberge-Gildewart
1996/97
Förderbeitrag, Kuratorium des Kantons Aargau

Solo Exhibitions

2013
some echoes some shadows, Lichthaus, Arnsberg
2012
O B A F G K M L T, SCHLEICHERLANGE, Berlin
gyre, Les Halles, Porrentruy
2011
stray currents, Towner, Eastbourne
Hyle, Lullin+Ferrari, Zürich
2010
bow echo, galerie schleicher+lange, Paris
squall lines, Palais de Tokyo, Les Modules, Paris
Chapelle Saint-Quirin, Frac Alsace, Sélestat
2008
Spark Erosion, doggerfisher, Edinburgh
fleeting here, with Chris Cornish, galerie schleicher+lange, Paris
2007
drift, galerie schleicher+lange, Paris
2006
shades, Galerie Friedrich, Basel
crush, doggerfisher, Edinburgh
2005
elastic, Malmö
even ever, Kunsthaus Baselland, Muttenz
2004
can’t take my eyes off you, Landpartie, Zürich
um 27, Filiale, Basel
solid tremors, Galerie Friedrich, Basel
you said something, depot/ Hohlraum, Zürich
2003
go far go, mit Maya Rikli, Palazzo, Liestal
Still..., doggerfisher, Edinburgh
2000
hispaniola, sleeper, Edinburgh
wish i’d want to stay, enter, Kunstmuseum, Thun

Group Exhibitions

2013
Géométrie variable, Les Crayeres, Reims
Drawing Biennial 2013, Drawing Room, London
Variety 2: Margins and Circles, Lullin+Ferrari, Zürich
2012
Discours Général, Alpineum Produzentengalerie Luzern
Regionale 13, Kunstraum Riehen
Catch of the year, Dienstgebäude
Extended Drawing, CAB, Brüssel
Art and the City, Public Art Festival, Zürich
Ping-Pong, M54, Basel
Reflections from Nature, Songeun artspace, Seoul
Springende Lachse, Kunst(Zeug)haus, Rapperswil
2011
Der andere Blick, Museum Rehmann, Laufenburg
Voici un dessin suisse, 1990-2010, Kunsthaus Aarau
Drawn in, Travelling Gallery, Touring Bus, Scotland
En Piste!, Centre d'art contemporain, Chamarande
2010
Ellipse / Eclipse, Galerija Gregor Podnar, Berlin, with galerie schleicher+lange
Le décor à l'envers, La Filature, Scène National, Mulhouse, curator: Sophie Kaplan, CRAC Alsace
Voici un dessin suisse, 1990-2010, Musée Rath, Genève, curator: Julie Enckell Julliard
Résilience, Espace d'art contemporain la Tolerie, Clermont-Ferrand

2009
The answer is within you, Substitut, Berlin
Traces and Impressions, Lullin+Ferrari, Zürich
Drawing 2009 - Biennial Fundraiser, The Drawingroom, London
After dark, my sweet, oechsner galerie, Nürnberg
Three leap seconds later, Kunsthaus Grenchen
Instant Melancholia, Raum 121, Frankfurt
Pragmatismus&Romantismus, Fondation Ricard, Paris
2008
The Line is a Lonely Hunter, New Jerseyy, Basel
Kunstkredit, Kunsthaus Baselland, Muttenz
Glänz, Alexander Clavel Stiftung, Wenkenhof, Riehen
Full House, Galerie Friedrich, Basel
Nowhere is here, Aspex, Portsmouth/ The Drawing Room, London/ Frühsorge, Berlin
soft spot, 0047, Oslo
group show, elastic, Malmö
2007
Bordercross, Kunstraum, Baden
The Manga Generation, Kunst Raum Riehen
Plus, Stiftung Vordemberge-Gildewart, Museum Wiesbaden
dark matter, artnews projects, Berlin
Swiss art award, Basel
Drawing 2007 - Biennial Fundraiser, The Drawingroom, London
Ausgezeichnet!, Kunstverein Freiburg
2006
Auswahl 06, Aargauer KünstlerInnen, Kunsthaus Aarau (CH)
Erzählungen, -35/65+, Kunsthaus, Graz
Zeichnungen, Kulturzentrum, Nairs
Kunst am Schlossberg, Lenzburg
Vom Schweifen der Linien, Seedamm Kulturzentrum, Pfäffikon
2005
The Wrong Map, Three colts gallery, London
HYPER-DRAWING, Kunsthaus, Langenthal
2004
Solar Lunar, doggerfisher, Edinburgh
schwarz auf weiss, Kunstmuseum, Solothurn
a suivre..., galerie schleicher+lange, Paris
2003
anyway, Vebikus, Schaffhausen
2002
CHinA, Volpinum, Wien
Panama, Wohlen
ON PAPER 1, Galerie Friedrich, Basel
2001
substrat.01/ oberfläche.struktur, Neurotitan, Berlin
Greetings from Liverpool, protoacademy, Bluecoat, Liverpool
A Walk to the End of the World, Foksal Gallery Foundation, Warschau
2000
Transitory Cooperation, curated by Luca Frei, eca, Edinburgh
apartment, project by protoacademy, Edinburgh
Raumkörper/ Netze und andere Gebilde, Kunsthalle, Basel

2000/05/06/07/09/12
Auswahl, Aargauer Kunsthaus, Aarau
2002/03
Regionale3, Regionale4, Kunsthaus Baselland, Muttenz
2000/01
Regionale1, Regionale2, Kunsthalle, Basel

Projects

Kunst im öffentlichen Raum/ Projekte:
2012 Eingeladener Wettbewerb, Hirzbrunnenschulhaus, Kunstkredit Basel
2011 Edition, Les Halle, Porrentruy
2010 Eingeladener Wettbewerb, Ayurvedazentrum Loosdorf, Österreich
2009 Eingeladener Wettbewerb, Präsidialdepartement Kanton Basel-Stadt, Abteilung Kultur, Basel, ausgeführt
2008 Eingeladener Wettbewerb, Kunstplattform, Basel, ausgeführt
2007 Edition, www.kurator.ch, Gebert Stiftung, Rapperswil
2006 Eingeladener Wettbewerb, ref Kirche, Binningen-Bottmingen
2005 Eingeladener Wettbewerb, Nordtangente-Kunsttangente, Basel
2004 Kunstwettbewerb Schulanlagen, Zürich
2002 Eingeladener Wettbewerb Schulanlage Gelterkinden

Collections

Kunsthaus Aarau
Credit Swiss, Zürich
Bundesamt für Kultur BAK, Bern
Hotel Krafft, Basel
Roche, Basel
Raiffeisenbank, Reinach
UBS collection, London
Contemporary Art Society, Edinburgh
The Judith Rothschild Foundation Contemporary Drawings Collection , MoMA
Kunstkredit Basel Landschaft
Kunstkredit Basel-Stadt

Bibliography

Publicationen:
Switzerland in SongEun, Reflections from Nature, SongEun ArtSpace, Seoul, Korea, 2012
Extende Drawing, CAB, Brüssel, Text by Pierre-Olivier Rollin, 2012
Art and the City, A Public Art Project in Zurich, JRP Ringier, Text by Christiane Rekade, 2012
Drawing Project, An Exploration of the Language of Drawing, authors: Mick Maslen and Jack Southern, black dog publishing, London, 2011
stray currents, Towner, Eastbourne, T: Felicity Lunn, 2011
Cahiers d’artistes, ProHelvetia, Editioni Periferia, Luzern-Poschiavo, T: Melissa Gronlund, 2009
Kurator 2007/08, Jahresprogramm Illustrationen, Gebert Stiftung Rapperswil
Plus, StipendiatInnen, Stiftung Vordemberge-Gildewart, Museum Wiesbaden
Ausgezeichnet, 2007, Kunstverein Freiburg, T: Felicity Lunn
Erzählungen, -35/65+, 2006, Kunsthaus Graz, T: Katrin Bucher, Katia Schurl
even ever, 2005, Kunsthaus Baselland, Muttenz
Hyperdrawing, 2005, Kunsthaus Langenthal, T: Marianne Burki
schwarz auf weiss, 2004, Kunstmuseum, Solothurn, T: Katharina Ammann
Die ewigen Jagdgründe, 2002, Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen, T: M.Stegmann
Franziska Furter, 2001, Kunsthalle Basel, T: A. Finlay, J. Müller, T. Zulauf
zartjunge surrogate, 2000, mit M. Heldstab und E. Oderbolz, T: Christina Vegh

Bibliographie:
Franziska Furter at Lullin + Ferrari, review by Aoife Rosenmeyer in Art in America online
«Bow Echo» und «Squall lines», Jens Emil Sennewald, Kunst-Bulletin, nr 5, 2010
Eva Scharrer, ‘Die andere Realität’,Kunstmagazin, www.regioartline.org, Juni 2008
Expanded Drawing, nyartsmagazine.com, may/june 2007
Franziska Furter at Schleicher+Lange, Paris, Art in America, David Coggins, spring 2007
Julia Peker, www.paris-art.com/expo_detail-3799-furter.html, january 07
Karen N. Gehrig, ‘In einer Galaxie, weit, weit entfernt’, Bazkulturmagazin, 19.1.06
Eva Scharrer, ‘Shades’, www.regioartline.org, Januar 06
Karen N. Gehrig, ‘Quelle des Lavastroms’, ‘solid tremors’, Galerie Friedrich, Basler Zeitung, S. 24/25, 23.9.04
Eva Scharrer, ‘Vom Verschwinden und Erscheinen’, ‘solid tremors’, Galerie Friedrich, www.regioartline.org, 3.9.04
Simon Baur, ‘Dialogisches Prinzip’, Kunst-Bulletin nr. 9, S.34/35, September 2004
Giles Sutherland, ‘Graphite artist’, ‘Still...’, doggerfisher, sunday herald, 25.5.03
Iain Gale, ‘Less is much more in the eye of the beholder prepared to look beyond first impressions’, ‘Still...’, doggerfisher, scotland on sunday, 18.5.03
Marion Benz, ‘Wintermärchen’, ‘go far go’ mit Maya Rikli, Basler Zeitung, 30.1.03
Fanny Fetzer, ‘Franziska Furter, Das Gesicht’, du, S. 6, 7/ 2001

Links

www.lullinferrari.com
www.schleicherlange.com
www.galeriefriedrich.ch
www.doggerfisher.com

www.periferia.ch/index.php?idcatside=5&sid=12b445b23c98f82302806cd1685c587a

 
 
 

www.lullinferrari.com





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