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Silva Agostini

 
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Obstacle, 2006
Video stills


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Am Eingang der Ausstellung ein Foto, ein verlassenes Schwimmbad . Kurz dahinter das Meer. Daneben gebaute Theaterprospekte aus Beton. Alles menschenleer. Absurd. Das zubetonierte Leben ist erstarrt, der Raum der Datschas ist gelöscht, er ist überbaut. Die Geister könnten wie in Shining wieder erscheinen. Man ahnt ein Mysterium des Dahinter, was liegt unter dem Palimpsest? Der Ausstellungstitel assoziiert auch die Begriffe Verleuchtung, Verlichtung. Vielleicht kommt man nie an, irrt durch Wände hin und her.
Ich stand an der Küste, im Rücken die Ruinen von Europa, und redete mit der Brandung: BLA BLA, so Heiner Müller in den 80er Jahren. Was folgt, ist der Zusammenbruch Osteuropas, dann eben dort die Hoffnung auf goldene Welten im Schnellzugtempo. Nun das Ankommen in der Realität hinter den Fassaden der Spekulationen. Unorte sind in zehn Jahren entstanden. Kein Ort nirgendwo, auch so eine zur Floskel gewordene Literatenzeile, die wieder einfällt, 2009.
Die Dokumentation ist eine Chimäre der Globalisierung, deshalb Dokumentarfilmfestivals und Dokumentarfotografie allerorten. Was will man sich eigentlich ansehen oder gar aneignen, das Fremde? Es wird nicht mehr zu finden sein. Nach den traurigen Tropen kommen nur noch die Tropen als Fatamorgana. Was bleibt sind gesehene Bruchstücke der Erinnerung. Verlassene Hotelswimmingpools direkt hinter der See, leerstehende Theaterkulissen a lá Paris, alles erst wenige Jahre alt und schon wieder dem Vergessen anheim gegeben.
Was ist in den Bildern Silva Agostinis nur schief gegangen bzw. was bilden sie ab? Sind es Metaphern für Kulissen des Sozialen? Dokumentarisches ist es nicht, zu abstrakt, zu trocken. Es ist eine metaphorische Herangehensweise. Das entstandene Bild ist die Verfremdung des Realen. Mit geringen Verschiebungen der Perspektive erreicht die Künstlerin eine Irritation des Betrachters. Nichts ist ausgedacht, inszeniert, alles im besten Sinne nur aufgenommen. Der Besucher der Bilder wird dadurch gestimmt. Die Gesamtatmosphäre der Ausstellung ergibt einen Klang der Tristesse. Ob Filme oder Fotografien, alles erzeugt einen Eindruck des Außenstehenden. Die Künstlerin hat einen kühlen, abstandshaltenden Blick. Die einzelnen Elemente der Ausstellung schließen sich zusammen zu einem Kanon der Abwesenden. Es gibt eine Serie kreisrund ausgeschnittener Landschaftsdetails, man fragt sich was man sieht, denkt an nicht beabsichtigte Details und merkt dann irgendetwas fehlt da. Ausgewählt sind die Vorlagen aus den noch weltweit vorhandenen Schuhkartons voller Familienfotos vor Landschaftskulisse, hier denen der eigenen Familie. Aber das ist fast egal. was hervorsticht ist das Fehlen der Personen. Man denkt an die Anfänge der Fotografie im 19. Jhd. die solche runden Formate verwendete. Hier ist man an einen voyeuristischen Blick erinnert, nur der zu betrachtende Gegenstand ist abhanden gekommen. Wir sehen in ein Loch. Die Entropie hat die eigentlich konstituierenden Personen des Bildes hinweggeweht.
Der Ursprung der filmischen Idee liegt zwischen Fiktion und Realität. Was soll das Primat haben? Der filmische Blick lebt unter anderem von Einstellungen und Kamerafahrten. Agostini interessieren diese filmischen Elemente. Sie dreht nur einzelne Vektoren um. Hier die Richtung der Bewegung oder die Projektionsachse. Dort wird die Geschwindigkeit verlangsamt. Was herauskommt sind saugende Fahrten durch die Ränder der Städte. Unscheinbare Stadtrandbebauungen werden zu rätselhaften, ausgrenzenden Anlagen, wer wohnt hinter diesen endlosen Mauern? Ein beliebiger Straßenzug stellt die Frage nach dem Woher und Wohin, wo liegt diese Straße, ist sie verifizierbar oder allgemeine Metapher. Aus welchem Kulturraum stammen diese Bilddokumente?
Silva Agostini kommt aus Albanien und hat an der UdK in Berlin studiert. Nur, ist das wichtig? Vielleicht ja, denn es zeigt die Überlagerung der Blicke zum Rand Europas hin und von diesem auf uns zurück, die wir meinen, im Zentrum zu sitzen. Die Ausstellung Silva Agostinis erinnert daran, dass authentische Kunst in vieler Hinsicht ebenso sehr die Schöpfung eines bestimmten Ortes wie die des Künstlers selbst ist.

Peter Lang
   

Silva Agostini

1979 born in Tirana, Albania

Lives and works in Berlin, Germany

Education

1997-98 Studium an der Akademie der Künste, Tirana
1999-04 Studium an der Universität der Künste, Berlin
2005 Meisterschülerin bei Prof. Christiane Möbus
2005-07 Studium an der Institut für Kunst im Kontext UdK Berlin

Grants

2004 Studienabschluss – Stipendium des DAAD
2006-07 NaFöG Stipendium
2008 Artist in Residenz in der Stadt Gera
2011 Marco Magnani residency, Sassari

Solo Exhibitions

2012 Perp Walk, TÄT, Berlin
2011 Steady Cadence, Galerie Isabella Czarnowska, Berlin
2009 Zwischen den Zeilen, Kunstsammlung Gera, Gera
2009 Am helllichten Tag, Galerie Isabella Czarnowska, Berlin
2008 Obstacle, TÄT, Berlin

Group Exhibitions

2013 Kino der Kunst, Galerie Jo Van de Loo, München
2013 Save as, science, Kreuzberg Pavillion, Berlin
2012 Once Upon, Kunstverein Arnsberg
2012 18 Hours a day, Kreuzberg Pavillion – 100 Days Kassel
2012 Berlin Status, Künstlerhaus Bethanien, Berlin
2012 Berliner Zimmer, Mestrovic Pavilion, Beograd & Zagreb
2011 Lo Stupore, Associacione Marco Magnani, Sassari
2011 Monotonie – Melancholie, Ritter Butzke, Berlin
2011 10 Images, Cervia, Italy
2011 Berlin Passage, Macedonian Museum of contemporary art, Thessalonik
2011 Baumann und Fuchs, Anton von Werner Haus, Berlin
2011 Halleluhwah! Hommage à CAN, Künstlerhaus Bethanien, Berlin
2011 Halleluhwah! Hommage à CAN, Abtart, Stuttgart
2011 Ardhje 2011, Contemporary art award, Tirane
2010 Junge Kunst Preis 2010, Wilhelm-Hack Museum, Ludwigshaven
2010 Ein Fest für Boris, Vittorio Manalese, Berlin
2010 Aka Symbol, Forgotten Bar Project und HBC Berlin
2009 Salon Österreich im Grauen Hof, Kunstverein Aschersleben
2009 Berlin meets Vienna Salon Österreich, Wien
2009 Video Präsentation, Burger Collection, Temporäre
Kunsthalle Berlin, Berlin
2009 Tirana Biennale 4, Tirane
2009 Dank An, Galerie Isabella Czarnowska, Berlin
2008 Galerie Andata Ritorno, Genf
2008 5 Biennale des Arts, Tunis
2008 Knorke Gören, KWADRAT, Berlin
2008 My Space, Fap Galerie, Tirana
2008 My Space, Galerie am Lützowplatz, Berlin
2008 Constructed Space, Deutsche Welle, Berlin
2007 Styleintegration, Projektraum Glue, Berlin
2007 Reithalle, KFZ Gelände Berlin Kreuzberg
2007 Frühe Arbeiten, TÄT, Berlin
2007 Andernorts, Gallas und Meyer, Bayreuth
2006 Möbusschleife, Haus am Kleistpark, Berlin
2005 Külakost, Kunstakademie Tallin
2005 Projekt Raum Areal 28, Berlin
2003 Visions of Berlin, Galerie Berliner Kunstprojekt, Berlin
2003 Gruppenausstellung im Rahmen des Poesiefestivals, Berlin
2003 Changing Channels, London Biennale in Berlin
2002 Triennale Potsdam, Kunstverein Potsdam
2002 Aurora Berlinalis 2, Staatliche Münze, Berlin
2002 Aurora Berlinalis, Oslo
2002 Die Vertreibung der Händler aus dem Tempel, Galerie 2yk,

Projects

2007 Mitgründung Projektraum TÄT

Bibliography

Zwischen den Zeilen - Publikation im Rahmen der Künstler Residenz Programm der Stadt Gera

Links

www.silvaagostini.com
www.galerie-czarnowska.de
www.tät.net

   

Silva Agostini

Paul Lincke Ufer
10999 Berlin

agostinisilva@yahoo.com

   





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